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Von Dinosauriern und Schnecken – Ein Nachruf auf Prof. Dr. Wolfgang Zacharias

Die Landesvereinigung Kulturelle Bildung Bayern e.V. (LKB Bayern) trauert um ihren Gründungsvorstand Prof. Dr. Wolfgang Zacharias (28.10.1941 bis 26.04.2018).

Die LKB Bayern ist nur eine von vielen Initiativen, die Wolfgang Zacharias der Kulturellen Bildung geschenkt hat. Nach jahrzehntelangem Engagement und Vorreitertum auf Bundes- und kommunaler Ebene schuf er gemeinsam mit Haimo Liebich und einem rührigen Vorstand einen landesweiten Rahmen für Begegnungen zwischen Menschen, die sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen: kulturelle Teilhabe in alle Winkel und Altersgruppen der Gesellschaft zu bringen – sei es mit Farben, Worten, Liedern, Spielen, Tablets und Tänzen.

Besonders der Generationenwechsel war ihm in den letzten Jahren ein wichtiges Anliegen. In einer Arbeitswelt voller fertiger Strukturen und Regeln wurde man von ihm in der Kulturellen Bildung herzlich und heiter begrüßt mit einem ungewohnten Vertrauensvorschuss: „Hier kannst du alle deine Ideen einbringen, umsetzen musst du sie aber selbst.“ Formuliert wie eine Drohung, in der Wirkung immens motivierend. Endlich Freiraum für eigene Ideen. Und noch besser: für gemeinsame Ideen. In einem Umfeld voller Inspiration und Impulsen: die bunten Räume der Leo 61, gehaltvolle Schriften und wilde Schnippelbücher, nicht zuletzt zahlreiche Gespräche und Veranstaltungen „mit Blick zurück nach vorne“. Immer auf Augenhöhe und erst, wenn man die Bibliotheken um Texte zur Kulturpädagogik bemühte oder sich aus dem beschaulichen München in den Bundeskontext wagte, wurde klar, mit wem man es da eigentlich zu tun hatte.

Auf einer Jubiläumsfeier der BKJ wurde Wolfgang Zacharias einmal als Dinosaurier der Kulturellen Bildung bezeichnet und das ruft Assoziationen hervor: von einem großen Wesen, das den Boden erschüttert, das Neuland betritt, das tiefe Fußstapfen hinterlässt. Im Sinne dessen, was er bewegt hat, ist das passend. Er war Wegbereiter für das, was heute als Kulturelle Bildung in aller Munde ist. Er hat eine Bewegung mit angeschoben, die sich für freien Geist, Selbstbestimmung und die Befähigung aller einsetzt. In seiner Art aber lag bei aller Beharrlichkeit auch immer eine verspielte Leichtigkeit.

Wolfgang hat viele Menschen seiner und der nachfolgenden Generationen geprägt und sie werden das, was er in diese Welt geschrieben und gesprochen hat weiterdenken, hinterfragen, wiederentdecken – in jedem Fall dafür sorgen, dass ein Fortschritt passiert.

„Der Fortschritt ist eine Schnecke“ hat Wolfgang Zacharias gerne zitiert und beigefügt: „Langsam, langsam geht’s voran. Aber sie bewegt sich doch!“

Unser Wolfgang hat die Schnecke einige Jahrzehnte mit weiten Schritten durchs Land getragen und dabei an festen Strukturen gerüttelt. Seine Gegenwart wird uns fehlen. Seine Ideen werden bleiben und weitergetragen: auf Gepäckträgern und in Spielbussen, über Stadt und Land, in Jutebeuteln und Kisten, online und offline, mit Kopf, Herz und Hand.

Im Namen des LKB-Vorstands

Haimo Liebich, Marion Glück-Levi und Daniela Biebl