Junge Perspektiven, große Wirkung: Beteiligung neu denken in Kunst und Kultur
Teil 1: Silke Ballath
Hey SIRI: Was bedeutet Beteiligung? Beteiligungsstrukturen für Kinder und Jugendliche in Kunst- und Kultureinrichtungen
Wie können Kinder und Jugendliche an Entscheidungs-, Gestaltungs- und Denkprozessen in Kunst- und Kultureinrichtungen beteiligt werden? Und welche Strukturen braucht es für die Umsetzung? Um diese Fragen geht es in unserer nächsten kostenfreien Online-KulturWeiterBildung.
2019 ist das Jugendgremium Schattenmuseum von der Berlinischen Galerie eingeladen worden, eine Ausstellung zu der SIRIBOX zu kuratieren. Über mehrere Monate haben Kinder und Jugendliche über das Kuratieren einer Ausstellung nachgedacht: Wie wird ein konkreter Inhalt vermittelbar? Was soll sichtbar werden? Wer soll beteiligt werden? Welche Absprachen und Fragen müssen mit wem in der Institution besprochen werden? Und wie entsteht darüber hinaus ein Vermittlungsprogramm?
Die Toolbox wurde von Grundschüler*innen entwickelt, um das Ausstellungshaus Berlinische Galerie performativ und spielerisch zu erforschen. Der Entstehungs- und späterer Aktivierungsprozess der SIRIBOX zeigt, wie Beteiligung in institutionellen Kontexten praktisch aussehen kann und wie aus gemeinsamen künstlerisch-edukativen Prozessen Werkzeuge entstehen, die auch in anderen Kontexten und Einrichtungen anwendbar sind.
2020 übersetzte das Jugendgremium Schattenmuseum die SIRIBOX in eine digitale App. Sie ist seitdem in unterschiedlichen Ausstellungshäusern wie dem Deutschen Historischen Museum, dem Haus der Kulturen der Welt, den KW-Institut for Contemporary Art, aber auch an öffentlichen Orte oder im Rahmen von Lehrer*innenweiterbildungen aktiviert worden. Das Beispiel wird zum Anlass genommen, um über Beteiligungsprozesse, -formate, -strukturen in verschiedenen Kontexten und Institutionen in den Austausch zu kommen.
Silke Ballath
(sie/ihr, weiss, abled body, europäisch sozialisiert, studiert) ist Professorin für Kunstdidaktik mit den Schwerpunkten Ästhetischen Bildung und Darstellendes Spiel an der Universität Koblenz. Seit 2011 begleitet sie zudem kulturelle Schulentwicklungsprozesse und erforscht die Zusammenarbeit von Pädagog*innen und Künstler*innen, künstlerische Schulentwicklungsprozesse, eine diskriminierungs- und rassismuskritische Bildungsarbeit sowie kollaborative Prozesse der Wissensproduktion in der pädagogischen und kunstvermittelnden Praxis.

Teil 2: Zoë Schmederer
Mini-München Amt für Stadtgestaltung – Kinderbeteiligung vor und während der Spielstadt
Mini-München gibt es seit 1979. Alle zwei Jahre verwalten, beleben und bespielen 20.000-30.000 Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren (Spielalter bis 2026: 7-15 Jahre) für drei Wochen ihre eigene Stadt. Alles liegt hier in Kinderhand. Das Arbeitsamt, die Müllabfuhr, die Medien, der Bauhof, die Gastronomie und das Gericht… Kinder übernehmen Verantwortung, treffen Entscheidungen und verwalten sie selbst.
Doch die Kinderbeteiligung endet nicht mit dem Spielbetrieb. Einmal wöchentlich trifft sich das Mini-München Amt für Stadtgestaltung und forscht, entwickelt, plant und organisiert in engem Austausch mit dem Erwachsenenteam. Hier werden Spielideen ausgearbeitet und ausprobiert, aber auch organisatorische und infrastrukturelle Vorschläge eingebracht und Entscheidungen getroffen. Die Mitarbeiter*innen (zw. 7 und 15 Jahren) verhandeln mit der echten Stadtverwaltung und -politik und pflegen den Kontakt zu ihren eigenen Partner*innen, wie zum Beispiel der Deutschen Post, oder der MVG. Ausserdem tauschen sie sich mit anderen Spielstädten aus, fahren auf Botschaftsbesuche, oder beraten Spielstädte im Entstehungsprozess.
Spannend ist hier nicht nur die Kinderbeteiligung, die seit Jahren selbstverständlich funktioniert, sondern die Graubereiche, wenn sich Erwachsenen- und Kinderorganisation überschneidet und Verantwortlichkeiten verhandelt werden müssen. Wie behält man die spielerische Leichtigkeit, wenn die Aufgaben plötzlich „bitterer Ernst“ sind?
Zoë Schmederer
ist Kamerafrau und Filmemacherin. Schon in ihrer Kindheit war sie begeisterte Bürgerin von Mini-München und hat jahrelange Erfahrung im kulturpädagogischen Bereich. Seit 2024 ist sie feste Mitarbeiter*in bei Kultur und Spielraum e.V. und bespielt unter anderem mit ihrem Kollegen Hansjörg Polster die Kinder und Jugendwerkstatt in der Seidlvilla und ist mit ihrer Kollegin Sarah Schrenk Verantwortlich für das Mini-Münchner Stadtplanungsbüro.

Kultur & Bildung stärken, vernetzen und bilden
Mit dem Veranstaltungsformat „KulturWeiterBildung“ bietet die LKB:BY ein Beratungs- und Informationsangebot an. Ziel ist es, Akteur*innen und Interessierten den Zugang zu Kultur und Bildung zu erleichtern und ihre Perspektiven zu erweitern – um selbst aktiv zu werden. Expertise und Erfahrungen rund um Organisation und Umsetzung finden hier genauso Raum wie die Soft Skills und Einblicke, die es braucht, damit Kultur & Bildung auch weiterhin stärken, vernetzen und inspirieren können.